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Virtuelles Zuprosten beim Achermittwoch-Online-Streaming 2021

Der Karneval gehört nicht mehr nur den Jecken auf Prunksitzungen und beim D’r-Zoch-kütt am Rosenmontag. Carne vale - die fleischlose Zeit des Fastens zwischen Erntedankfest und Aschermittwoch - wird zunehmend mehr zum Thema der Vegetarier und Veganer. Nicht nur saisonal, sondern ganzjährig und zukunftsweisend. Am Besten ab jetzt für immer. Das Menschenrecht entdeckt das Tierwohl im Kreuchen und Fleuchen auf Erden. Der Digital-Kapitalismus möchte zurück zur Natur. Und meine Katze macht fast nie das, was ich will. Selten gelegentlich aber maunzt sie mich an und scheint zu fragen - Dr. Doolittle, siehst Du nicht das Paradies gleich nebenan vor der Tür?

Am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei, sondern nach dem Aschermittwoch fängt alles an. In der Natur und beim Politischen Aschermittwoch der allseits bekannten Parteien. Allen voran die - wegen Franz-Josef Strauß - Erfinder des Politischen Aschermittwoch. Die CSU-Community.
Diesjährig mussten alle Parteien auf das altgewohnte Bierzelt-Schenkelklopf-Blasmusik-Ritual in kommunalen Hallen verzichten. Warum? Nara-Tara - Corona bedingt. SARS-CoV-2 und all seine Escape-Varianten haben allen Narren und Parteien die diesjährige Karnevalssaison als Auftakt ins wiedermal so genannte Super-Wahljahr 2021 versaut. Wolle mer se roi lasse? NEIN, sagen wir als Wirte zu den ungebetenen Virus-Gästen. Und sie kommen doch, von draußen vor der Tür ins Heim, ins Eigenheim, in die Mietwohnung und eben auch ins Festzelt. Ergo - Lockdown auch am Aschermittwoch für alle ohne Ansehen des Parteibuches.

Als „Aschermittwoch Dahoam“ hatte die CSU ihren ersten Aschermittwoch in Corona-Zeiten betitelt und mittels eines spezifischen Online-Portals medial beworben. Und der Titel war Programm. Ein richtig gutes Programm auf allen Online-Kanälen. Im eigenen CSU-Studio mit großer Bühne moderierte der Generalsekretär Markus Blume durch die Online-Streaming-Show der CSU am Politischen Aschermittwoch. CSU - die Mir-san-Mir Volkspartei im Land der Bayern mit direktem Einfluss auf das Berliner Regierungsraumschiff. Ach, ist der Himmel schön blau, der Schaum auf dem Bier so schön weiß und die Wälder und Wiesen so schön grün. Bayern ist das Paradies auf Erden - Gott hat ein Korrektiv im irdischen Jammertal. Markus Söder. Der weiß-blaue Grüne. Mehr Landesvater geht derzeit nicht in Deutschlands Bundes-Provinzen - auch wenn in Söders Bierkrug auf dem Borzeittisch nur Cola-Light drin war. Pfui - würde FJS dazu sagen. Egal. Vor vvorbeiziehenden Fake-Wolken über einem Passau-Standbild im rustiklaen Holzrahmen, fühlte sich der bayerische Ministerpräsident wie ein Franke im Himmel. Ja, mann muss Gott für alles danken - auch für Ober- und für Mittel-Franken.

Söder umarmt gerne lieber Bäume, statt Anton Hofreiter, wie er in seinem rund einstündigen Vortrag von "Dahoam" anmerkt. Die lange Leidenssituation von Schalke 04 muss als Vergleich mit der SPD herhalten  - passabele Mannschaft, aber schlechtes Spiel. Er hackt auf den FREIEN WÄHLERN in der eigenen Landes-Koalition herum (weil die FREIEN WÄHLER bundespolitische Ambitionen hinsichtlich der Bundestagswahl 2021 haben und im konservativen Lager den Christunionist’innen Stimmen kosten könnten) und er nutzte seine Ansprache an die Nation beim „Aschermittwoch Dahoam“ (tatsächlich im CSU-Studio) perfekt als Bewerbungsrede für das kommende Kanzler-Karussell im Schwesterpartei-Bündnis CDU / CSU. Am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei. Am Aschermittwoch 2021 hat Markus Söder genaugenommen gesagt - rechnet mit mir hinsichtlich des Erntedankfestes im Herbst 2021. Sprich Kanzlerkandidatur und Bundestagswahl 2021. Die Washington Post könnte Titeln, "The bavarian Shrek is more alive then ever".

Die Sozis (der SPD ohne Parteibuch verbunden, darf ich sie salopp so nennen) hatten in ihrem virtuellen Aschermittwoch ebenfalls eine gute Figur gemacht. Nicht so grandios wie die CSU, jedoch stimmte das ganze Setting aus Redebeiträgen und Interview-Situationen. Natascha Kohnen, Vorsitzende der SPD Bayern, erwies sich als professionelle Interviewerin im Gespräch mit Olaf Scholz. Eben weil sie locker vom Hocker Fragen stellte und Themen setzte, ohne in den „Sozi-Apparatschik-Jargon“ zu verfallen. Im Bühnen-Setting eines „Kneipen-Ambiente“ mit Bar, reduziert trendigem Mobiliar aus Holz-Paletten im „Deko-Neon-Glanz“ mit einem Schuss "Rotlicht-Milieu" Beleuchtung kam das zwar etwas Reeperbahn-mäßig rüber, aber insgesamt war das ganze Setting OK. Weniger ist manchmal mehr.
Olav Scholz hatte seine Lächel-Mimik verbessert, relativierte die hitzige Friseur-Öffnungsdebatte mit Verweis auf sein eigenes Haupt-Haar und betonte, dass er sich mit der SPD gut gefunden hat, während alle anderen bezüglich Bundestagswahl 2021 noch immer ziellos am Suchen sind. Mir hat er jedenfalls beim Streaming-Viewing gut gefallen. Persönlich wie inhaltlich. Und vielleicht muss der Begriff Hipster demnächst neu definiert werden.

Die GRÜNEN. Auf dem jüngsten Parteitag anders gewohnt, schwächten sie beim Aschermittwoch-Streaming. Vor grüner Bühnen CI-Deko zu viel Stehpult-Vortrag. Der Moderator wirkte zu sehr wie - Ich bin Lehrer, gehe aber demnächst in Rente. Und - warum stand Robert Habeck nicht auf der Gästeliste? Taktik? Wollte man Annalena Baerbock am Aschermittwoch vollen Raum geben - Frau der GRÜNEN kann Kanzlerin - und am Ende des Tages kommt die Männer-Fraktion dann doch wieder von Hinten durch die Brust?

FPD. Was soll man da schreiben? Die Partei, die in Deutschland laut und vehement mehr und mehr und noch mehr digitale Kommunikation und Kompetenz auf allen Eben fordert, stellt am Aschermittwoch ein, zwei Kameras in einem einem Flur im höchsten Stockwerk eines Gebäudes auf und filmt vor einem Fenster mit Streben einfach die Reden und Statements ihrer Protagonisten ab. Christian Lindner redet viel über ein modernes Deutschland und während man seinem Aschermittwoch-Beitrag vor der schnöden Fenster-Fassade lauscht, fragt man sich, ob die Macher dieser FDP-Aschermittwoch Veranstaltung den Unterschied zwischen Ortsgruppen-Hinterzimmer und Video-Streaming überhaupt kennen?

DIE LINKE und die AfD habe ich mir nicht reingezogen. Mediale Highlights waren nicht erwartbar. Egal - machen wir uns insgesamt dennoch nichts vor. Stichworte Rezeption und Reichweite. Wenn die AfD medial schwadroniert oder Querdenker poltern, dann generieren derartige „Wahrheitsfinder“ online in ihren Kanälen der Sozialen Netzwerke oftmals vom Stand weg tausende bis zehntausende Likes und Follower sowie zahlreiche Abonnenten. Die Videos im Online-Stream im Zuge des Politischen Aschermittwoch, (allein) präsentiert auf YouTube haben ca. nur diese Follower-Zahlen erreicht. CSU: 4.000, SPD und FDP: 300 und GRÜNE: 200. Wohlgemerkt - nur beim Streaming via YouTube - die Aschermittwoch-Veranstaltungen wurden auf zahlreich anderen Plattformen gestreamt, sodass höhere Watch-Zahlen zustande kommen. Insgesamt aber nicht weiter bedeutend - Mittwoch-Vormittag arbeiten die meisten Mensch - auch in Corona-Zeiten.

Mein Aschermittwoch-Streaming Fazit lautet - medientechnisch und nicht programmatisch inhaltlich - CSU first, SPD second und GRÜNE wie FDP hätte man sich schenken können. Tja, liebe Kinder, der Mainstream in Deutschland ist eben noch lange keine Streaming-Community. Ein wenig Rezo reicht trotz gutem Beispiel nicht. Also, liebe Kinder, nutzt eure Medien-Kompetenzen auch für das politische Engagement auf allen Kanälen. Denn jeder Tag im Leben ist Erntedankfest und Aschermittwoch zugleich.

Und ich alter Sack mache mir als spätes Nachtmal jetzt ein Schnitzel warm, dass mir meine liebe Frau (sprich politisch korrekt, vollwertig gleichberechtigte Ehe-Partnerin mit femininer Bios-Prägung) heute am frühen Abend vom To-Go-Restaurant für „Dahoam“ mitgebracht hat. Mahlzeit und Prost.

0711 · EIN KESSEL BUNTES
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