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Reif für den Wechsel

Seit rund 15 Jahren habe ich ohne Parteibuch und als freiberuflicher Grafik-Designer unter dem Signum KEYCON - neben anderen Kunden - Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Wahlkampf-Kampagnen für die SPD betrieben. In diesen 15 Jahren - nur rund ein Zehntel der Zeit seit dem Gothaer Parteitag 1875 - habe ich den „Laden“ gut kennengelernt. In heutiger Zeit. Mit allen Aufs und Abs. Das wechselvolle Wirken der ältesten Partei Deutschlands ist kein Schwanken im Wind, sondern ein beharrliches Tun auf der Höhe der jeweiligen Zeit, auch wenn ich kritisch anmerken muss, dass die SPD zu lange mit und unter dem Merkel-Regime wegduckend mitgemacht hat.

Von der sozialdemokratisch immer so hochgehaltenen und gepflegten Tradition der gesellschaftspolitisch befruchtenden Streitkultur - auch über die Parteigrenzen und Lagerbildungen hinaus - nahm ich in meinen Lebensjahren von 1982 bis 1998 während des Kohl-Regimes deutlich mehr war, als in den 16 Merkel-Jahren, darunter drei GroKos aus SPD und CDU / CSU. Damals, 1980 wurde ich 40 Jahre alt, im Jahr 2020 feierte ich meinen 60sten Geburtstag. 60 Jahre alt - das Eintrittsalter in den Alter-Weißer-Mann-Zirkel. Der Garten ist bestellt, nun geht es nur noch ums Ernten. Oder doch nicht? Eher nicht. Es geht immer auch um das Säen für Ernten deren Früchte man selbst nicht mehr genießen kann.

Es geht um Gegenwartsentscheidungen für eine - planbar nicht immer ganz klar absehbare - zukunftstaugliche Gestaltung der nationalen, europäischen und auch internationalen Geschicke und Geflechte.

Olaf Scholz erscheint mir als der glaubwürdigste, zuverlässigste und visionär-pragmatischste (man muss mit Visionen heutzutage nicht mehr Ärzt*innen aufsuchen) Kanzler*innen-Kandidat in dieser Zeit. Übrigens auch - da mache ich mir überhaupt nichts vor - wenn Saskia Esken, Kevin Kühnert und andere Parteilinien-Bestimmer nach dem Wahlabend wieder aus der „Gefangenen-Gruft“ im Willy-Brandt-Haus in die Freiheit entlassen werden. Denn dann haben wir mit unseren Sozis wieder das, was wir an ihnen so lieben - die gesellschaftspolitische Streitkultur. Unter und mit dem potentiellen Kanzler Olaf Scholz, der natürlich inklusive allem notorischen Hader seit Helmut Schmidt und Gerhard Schröder zum Trotz, auch den Partei-Vorsitz anstreben wird. Machtkonzentration in schweren Zeiten.

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans werden als SPD-Vorsitzend*innen auf einem Parteitag im Frühjahr 2022 vermutlich Geschichte sein. Vielleicht übergibt Scholz dann den angestrebten und erlangten Parteivorsitz unter Tränen dann später im Jahr 2024 bereits an Dr. Rolf Mützenich oder sonst wen. Schauen wir mal, dann sehen wir schon.

Wichtig bleibt - so denn Olaf Scholz Kanzler wird - alle nötigen gesellschafts-, sozial-, wirtschafts- und finanzpolitischen Transformationsprozesse müssen in Warp-Speed zum Wohle der Deutschen in Europa und im Welt-Konzert umgesetzt werden. Eine Herkules-Aufgabe, die hoffgentlich nicht wieder In einer ungelösten Sisyphos-Arbeit enden wird. Am technologischen und wissenschaftlichen Know-How - wie wir inzwischen wissen - kann dies nicht scheitern. Zu fürchten bleibt allerdings weiterhin, dass auch die nächste deutsche Regierung - auch unter SPD-Führung - an den hochgesteckten Zielen deshalb scheitert, weil der deutsche Staatsapparat unter dem Stichwort Bürokratie weiterhin ein zu großes und schwerfälliges Standbein und ein allzu kleines modernes Spielbein innerhalb des Gesamtkörpers Deutschland aufweist.

Mehr Mut zum Wagnis ist deshalb angesagt. Nicht immer nur in Sachen Demokratiestärkung, Respektbekundung, Menschenrechte, allgemeinverbindlicher Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit - all dies weiterhin auch - sondern zusätzlichen auch ein Schuss experimentierfreudigen Wagens im operativen Geschäft. Trial and error. Lessons learned. Discover new shores at risks.

Wir müssen - gerade bei den Anstrengungen zur Reduzierung von CO2-Werten, der De-Carbonisierung insgesamt und der Etablierung von erneuerbaren Energieversorgungsquellen - viel mehr schneller Wagen. Und dabei als falsch erkannte Wagnisschritte verlassen, um ggf. andere neue Wege zu beschreiten. Ein zukünftig hoch dynamischer Prozess fern ab von einem christunionistischen Weiterso mit teilweise rückwärtsgewandten Bewahrungsaspekten.

Diesbezüglich hat mich Olaf Scholz überzeugt. Wagnisorientiert mit klarer Sicht vorangehen. Die potentielle Fehlerhaftigkeit im guten Handeln als Kurs-Korrektur bereits mitdenken. Als Gestalter, Macher und als Staatsmann, der weiß, dass nicht nur der Wille im eigenen Land - jenes deutsche „vom Willen beseelt“ Sein, wie es in unserer Grundgesetz-Präambel heißt - allein zu positiven Veränderungen führt, sondern das gemeinsame Ziehen an europäischen und internationalen Strängen nötig ist, um die Welt schrittweise, oft in kleinen Schritten des Wandels durch Annäherung, besser zu machen.

Auf dem Marktplatz in Esslingen am 20. 09. 2021 sagte Olaf Scholz auf die kritische Frage eines (vermutlichen) Juso-Jüngers hin, der zurecht die Diskrepanz zwischen dem Kohle-Ausstieg bis 2038 und dem Erreichen des 1,5 Grad-Ziels auch im SPD-Programm monierte, zusammengefasst dies. Man müsse die gesteckten Ziel - aus heutigen Berechnungen - sofort und konsequent verfolgen und umsetzen. Gelangt man auf der Strecke zu guten und besseren Umsetzungserfolgen, so lässt sich die Marke 2038 schneller und früher reichen, 2035, 2030. Jedoch müsse man eben jetzt sofort anfangen und handeln, um überhaupt im Zuge von kommenden Jahren Erfolge beim Klimawandel bzw. bei der allgemeinen De-Carbonisierung messen bewerten und dann gegeben Falls verschärft korrigieren zu können. In Deutschland. Die anderen Player in der Welt müssen natürlich mitspielen und z.B. deutsche Klimaschutz-Technologien einführen oder adaptieren.

Wegen derartig klarer und durchaus in Teilen auch noch ungesicherter Erläuterungen vertraue ich auf Olaf Scholz. Ganz im Sinne eines alten Erhard Eppler Wahlslogans aus vergangenen Zeiten in Baden-Württemberg - das Wichtige denken, das Richtige tun.

Meine Wahl-Entscheidung im Wahlkreis 258 · Stuttgart I · ist schon länger klar. Zweitstimme für die SPD, Erststimme für Cem Özdemir. Das bin ich Josef „Joscka“ Fischer und Gerhard Schröder nach 2005 schuldig. Rot-Grün soll nach dem 26. 09. 2021 im Bund zwei Küchenchefs haben - Christian Lindner darf gerne konstruktiv mitkellnern.
Also Leute - alles auf moderne Zeiten setzen. Deutschland benötigt eine stabile sozial-ökologisch-liberale Koalition aus SPD, GRÜNEN und FDP am Start in die „Roaring Twenties“ des 21. Jahrhunderts. Basta!

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