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Der Spaß im Ernst - endlich richtig verstanden

Humor - so belehrt uns Wikipedia - ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.

In diesem Sinne hat Olaf Scholz alles richtig gemacht beim Foto-Shooting für das SZ-Magazin (Magazin-Beilage der Süddeutschen Zeitung). Für die SPD und im Rahmen der SZ-Redaktion. Wir alle können wissen, dass das SZ-Magazin seit langen Jahren Personen des Zeitgeschehens per Interview zur Lage der Nation befragt und auf der Titelseite abbildet. Nicht um Applaus zu erheischen, sondern um kritisch zu hinterfragen. Eben auch Augenzwinkernd, nicht Mainstream orientiert und schon gar nicht im Sinne parteipolitischer Bekenntnisse. Beim Steinbrück-Stinkefinger-Foto auf dem Titel lief einiges schief - wegen Steinbrück. Aber im Scholz-Fall stimmte alles.

Ich - falls man Liebe zur Foto-Settings entwickeln kann - liebe dieses Scholz-Foto auf der SZ-Magazin Titelseite. Warum? Weil der als „Scholzomat“ verschriene und angeblich Charisma freie Kanzlerkandidat der SPD im Jahr 2021 im Wahlkampf eben nicht als rheinländische Lachnummer daherkommt, sondern genau weiß, wann es Zeit ist im Ernst des politischen Geschäfts auch mal einen pointierten Scherz zu machen. Sagen wir es doch klar und deutlich - Merkel-Raute-Verarschung. Mutti ist hier eben auch zum Satire-Objekt im Ausklang von drei GroKos unter SPD-Regierungsbeteiligung geworden. da tut doch eine scholzsche Schmunzel-Reflektion gut.

Humorunfähig sind all jene, die das Scholz-Foto auf dem Titel des SZ-Magazins als reine politische Ansage im Wahlkampf verstehen. Ist doch alles tatsächlich nicht so ernst gemeint und dennoch hat Scholz Spaß im Ernst bewiesen. Olaf Scholz hat hier visuell - ja auch medial und show-technisch - etwas gezeigt und bewiesen, was ich den „Böhmermann-Effekt“ nenne. Ein guter Effekt. Von hinten durch die Brust mit Spaß und Satire auf am Ende dann doch ernste Belange hinweisen. Das Merkel-Signet der Raute mit gefalteten Händen zeigend, damit hat Olaf Scholz seinen Respekt vor der langjährigen Kanzlerschaft Angela Merkels ausgedrückt (er ist ja langjährig Teil davon gewesen) und zugleich hat er eine Art Kondolenz-Bezeugung bezüglich des aktuellen Zustandes der Christunionisten mit und unter Armin Laschet bekundet. Ein bischen Merkel wird bleiben - in  den Händen von Olaf Scholz, aber nicht in den Adern von Armin Laschet. Und - nebenbei bemerkt - die SZ-Magazin Redaktion hätte ja auch zur selben Zeit statt Olaf Scholz ein Interview mit Armin Laschet führen können und dann die Titel-Seite mit einem provokanten Laschet-Foto schmücken können. Hat sie aber nicht.

Ach so, hätte ich fast vergessen. Aus der lateinischen Wort-Wurzel heraus bedeutet Humor die „Feuchtigkeit“, womit eher seit alt-griechischen Tagen die vier menschlichen „Körpersäfte“ (die cholerischen, phlegmatischen, sanguinischen und melancholischen) gemeint sind und nicht Wettersituationen. Humor, so sagt der Volksmund auch, ist wenn man trotzdem lacht. Feucht-fröhlich rheinländisch gewissermaßen. Humba Täterä. Dennoch, man lacht einfach nicht im Hintergrund, wenn der Bundespräsident eine Anteil nehmende Rede für die Abgesoffenen nach einer Unwetter-Flut-Katastrophe hält. Basta.

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