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Get the shot - kill the beast - spread the faith

Die reine Statuserklärung, dass die USA aus deutscher und europäischer Sicht aktuell nicht mehr als Risiko-Gebiet eingestuft werden, bringt im Hinblick auf Reisen in die USA für Otto Normalverbraucher und Martina Mustermann herzlich wenig. Denn ausschlaggebend ist, was die US-Regierung zur Corona-Lage und zu den Reiseregelungen aus eigener, nationaler Sicht festlegt. Und hier hat die Biden-Regierung die „Presidential Proclamation“ aus dem Januar 2021 bis auf weiteres erneuert. Von diversen Ausnahmen und Sonderregelungen abgesehen, können ‚Normalreisende‘ nach wie vor nicht in die USA einreisen, wenn sie sich 14 Tage vor der geplanten Einreise in die USA im Schengen-Raum, also auch in Deutschland, aufhalten bzw. dort leben und wohnhaft sind.

An dieser Regelung dürfte sich auf absehbare Zeit höchst wahrscheinlich kaum etwas ändern. Denn gerade wegen der zahlreichen Fehlentscheidungen unter Präsident Trump ist die Biden-Regierung mehr denn jeh daran interessiert, das Virus-Geschehen inner-amerikanisch in den Griff zu bekommen und somit in Sachen Immunisierungsschutz, Gesundheit, wirtschaftlichen Aktivitäten und letztendlich der Rückkehr zu einem normalen Leben für die eigene Bevölkerung, schnell und eigennützig voranzuschreiten. Dieser Weg ist im riesigen Land noch weit, obwohl unter Biden - und von Trump zumindest finanziell und ressourcen-technisch einigermaßen gut vorbereitet - die amerikanische Impf-Kampagne seit Jahresbeginn 2021 enorm schnell und flächendeckend mit „Warp-Speed“ angelaufen und durchgeführt wird.

Doch auch in den USA sind die politischen Ankündigungen oft verheißungsvoller, als es dann die Praxisrealität zeigt. So sprach Biden noch im Frühjahr 2021 hoffnungsfroh andeutend davon, dass zum symbolischen Stichtag des 04. Juli 2021, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, infolge eines Impf-Angebotes für die gesamte US-Bevölkerung bis dahin ca. 60% aller Amerikaner*innen zweimal geimpft sein würden; gewissermaßen die unterste Stufe der angestrebten Herden-Immunität in Höhe von 80% bis 90%.

Aktuell Mitte Juni 2021 sind ca. 40% US-Bürger*innen zweimal geimpft und ca. 60% einmal. Seit Mai 2021 schwächelt die Impf-Kampagne, von knapp 4 Mio. Impfungen täglich runter auf rund 2 Mio. shots a day. Und von heute an in drei Wochen ist der 04. Juli 2021. Dennoch, der bisher große Erfolg der US Impf-Kampagne ist nicht von der Hand zu weisen. Insbesondere die Zahlen der Neu-Infektionen gehen seit zwei, drei Monaten deutlich nach unten. Waren es Ende März 2021 noch um die 75.000 Infektionen täglich, sind es aktuell rund 11.000. Von den Infektionszahlen in hunderttausender Stärke noch zum Jahreswechsel 2020 / 2021 ganz zu schweigen. Zum Vergleich, für Europa werden am 16. Juni 2021 knapp 47.000 Neu-Infektionen gemeldet, bei knapp 448 Mio. Einwohnern. Rund 330 Mio. Einwohner haben die USA.

Umgerechnet auf die Bevölkerung liegen die USA somit aktuell bei einer Quote der Neu-Infektionen in Höhe von knapp 0,034% täglich und die Europäische Union, sprich der Schengen-Raum, bei 0,098 %. Knapp dreimal höher als in den USA ist derzeit die Infektionsquote auf dem Territorium der Europäischen Union.

Es verwundert deshalb nicht, dass zwar die Europäische Union und auch Deutschland den US-Amerikaner*innen inzwischen wieder ein „Herzliches Willkommen“ zurufen, die US-Regierung aber weiterhin in Richtung Europa / Schengen-Raum kein „Welcome“ signalisiert oder formuliert. Amerika first - das Statement war keine Trump-Erfindung, sondern gehörte schon immer zum amerikanischen Selbstbewusstsein. Trump hatte den Begriff überstrapaziert und als aggressive Kampfansage mit dem Zusatz „make America great again“ gegenüber dem Rest der Welt missbraucht. Mit Joseph Biden sind die USA wieder back to normal. Keineswegs aber mit einem abgeschwächten Eigenverständnis nach dem Motto „USA unter anderen“ oder gar „USA unter ferner liefen“. Auch Bidens Politik hat legitimer Weise zuvorderst das eigene Land und die eigene Bevölkerung im Visier und im Verstand. Amerika first - nun wieder auf die nette Art.

Aktuell, neben allen sonstigen nationalen Versöhnungsanstrengungen nach vier fatalen Trump-Jahren, dürfte dazu auch dieses kurz und mittelfristige Ziel in Corona-Zeiten gehören - make America save again. Im Inneren zunächst und erst dann nach außen im Bereich Einreiseerleichterungen und allgemeiner Tourismusbelebung. Denn bei aller Kritik an China dürfte es die US-Regierung ziemlich wurmen, dass man im „Reich der Mitte“ im Zuge knallharter Corona-Bekämpfungsmaßnahmen etwa zwei Quartale früher und schneller wieder wirtschaftliche Fahrt aufgenommen hat und umso munterer auf der Seidenstraße entlang manövriert. Demgegenüber haben sich die USA mit Biden und die Europäer jüngst auf dem G7-Gipfel erst damit beschäftigen müssen, den ganzen wirtschafts- und klimapolitischen Müll der Trump-Administration nachhaltig zu entsorgen, um in den internationalen Beziehungen dort weiter zu machen, wo man vor gut vier Jahren stehen geblieben war. Der trumpsche Protektionismus hat ein Ende, die Harley-Davidson wird in Europa möglicherweise wieder billiger zu haben sein und der Absatz von französischem Camembert mag an der Ost-Küste der USA durch die Decke gehen, aber in Fragen altgewohnter Freiheiten und deutlicher Lockerungen in der Einwanderungs- und Einreisepolitik werden sich die USA vermutlich noch länger zurückhalten. Hier bleibt die Abschottungsstrategie weiterhin ein Instrument der Pandemie-Bekämpfung, solange bis the viral enemy im eigenen Land besiegt ist. Time will tell.

Eingedenk der Tatsache, dass Begriffe wie Zuverlässigkeit und Planungssicherheit ohnehin kaum zum aktiven Wortschatz so ziemlich aller Regierungen in der Welt gehört haben und verständlicher Weise im Fortgang eines höchst dynamischen Pandemie-Geschehens weltweit auch teilweise nicht gehören konnten bzw. in praktisch klares Handeln umgesetzt werden konnten, sollte das Zauberwort vom „Pandemie-Ende“ trotz allerlei Sommerfreuden nicht allzu voreilig in den Mund genommen werden. Die von der WHO inzwischen umgetauften Virus-Varianten grassieren und sind - wenn auch noch schleichend - auf dem Vormarsch in einigen Ländern. Unter anderen in Großbritannien die Delta-Variante, formaly known as the indische Variante, aus der SARS-CoV-2 Familie. Nach der dritten Welle kann man zudem getrost mit dem Wellen zählen aufhören. Das Virus wird bleiben und uns noch Jahre lang saisonal und territorial begleiten. Mehr oder weniger intensiv, jedoch nicht mehr mit pandemischem Ausmaß. Sofern die Lektionen gelernt sind.

Zum lessons learned Prozess der zurückliegenden 16 Monate gehören vor allem - auch wenn das kaum jemand mag - weitestgehende shutdowns und lockdowns im öffentlichen und privaten Leben. Kontaktvermeidung, die sehr schwer auszuübende und zu ertragende Verhaltensweise unter allen möglichen Maßnahmen, schützt - vom Impfen abgesehen - am besten. Zukunftszenarien, wie auf dem jüngsten G7-Gipfel bereits angedacht, werden in Sachen Pandemie-Bekämpfung also viel früher, schneller und extremer die persönlichen Kontakte und internationalen Reisebewegungen herunterfahren müssen, als es im Falle des Beginns der SARS-CoV-2 Pandemie ab Jahreswechsel 2019 / 2020 geschah.

Joseph Biden dürfte dies bereits jetzt ins Kalkül ziehen und wird somit die laufende US Impf-Kampagne trotz großer Fortschritte nicht parallel dazu nutzen, um allzu frühe und offenherzige Lockerungsmaßnahmen im Bereich Einreise und internationalem Tourismus zu gewähren. Auch für den Autor dieses Artikels eine Spekulation, die ihm wegen einer geplanten USA-Reise im Herbst 2021 und dem Besuch dort lebender Familienmitglieder gegen den Strich geht, sofern die Spekulation sich am Ende bewahrheiten sollte. Die US-Regierung wird die Lage beobachten, Zurückhaltung üben und erst zu einer weitgehenden Öffnung gegenüber ausländischen Reiselustigen zurückkehren, wenn es inner-amerikanisch heißt - we are save. In einigen Monaten oder einem halben Jahr, zu Thanksgiving 2021 oder erst zu Neujahr 2022 vielleicht. Aus US-amerikanischer Sicht wäre dies nachvollziehbar, klug und richtig. Health first.

SAVE THE DATE


KOMMENDE VERANSTALTUNG
IST IN PLANUNG FÜR 2021.

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