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Europathie

Vor rund zehn Jahren wurde ich Mitglied, seit knapp vier Jahren bin ich in verantwortlicher Position Schatzmeister der Europa Union Stuttgart e.V.

Ich gehöre keiner Partei an. Den europäischen Einigungsprozess verfolge ich seit meiner Jugend mit einem klaren JA zur sprichwörtlichen Unity Throughout Diversity. Den Slogan hatte einst Hans-Dietrich Genscher aus Los Angeles „geklaut“. Nur mal so nebenbei.

Throughout - wer gut englisch kann weiß das - meint etwas anderes, etwas spezifischeres als nur „through“ (durch). Wir Europäer gehen nicht nur einfach durch etwas durch, sondern wir versuchen uns seit langen Dekaden aus nationalen Pepita-Mustern heraus, zu einem gemeinsam tragfähigen großen Karo zu formen. Wir versuchen auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Vielfachen (KGV) einen möglichst großen gemeinsamen Teiler (GGT) zu bilden, um hier mal die Mathematik der Mengenlehre aus meinem Grundschulunterricht der späten 1960er / frühen 1970er Jahre ins Spiel zu bemühen.

Wir praktizieren dies seit den Tagen der Montan Union, über die EWG bis hin zur heutigen EU i.d.R. so - Schritt um Schritt, Verhandlung um Verhandlung und letztendlich Wahl um Wahl, gibt ein jeder Nationalstaat dieses oder jenes Souveränitätsrecht an Brüssel und Straßburg ab. Dieses Abgeben ist kein ultimatives Erlöschen von nationalen Rechten, sondern vielmehr eine Übertragung, ein Delegieren bestimmter Aufgaben und Rechte an eine höhere Instanz - allgemein die Europäische Union mit ihren diversen Institutionen. Von dort aus wirkt diese und jene Regelung oder Gesetzgebung dann gleichermaßen verbindlich auf alle einzelnen Mitgliedstaaten zurück. Weil das alle Mitgliedstaaten ja so gewollt haben.

Die sukzessive Anpassung nationaler Belange an eine supranationale Ordnung ist im Falle der Europäischen Union kein march through - kein Durchmarsch - sondern eine langwierige Schritt-für-Schritt-Bewegung aus (out of) den national gewohnten historischen Entwicklungen und aktuell modernen Befindlichkeiten heraus. Deshalb ist das Through-Out so wichtig zur Beschreibung des einst initiierten und weiterhin noch lange andauenden europäischen Einigungsprozesses.

Im fundamentalen Unterschied zu den Vereinigten Staaten von Amerika fußt die europäische Entwicklungs- und Einigungsgeschichte eben nicht vor rund 300 Jahren out of the box auf einem Gründungsszenario in einem „Gelobten Land“ in einer „Neuen Welt“, sondern wir Europäer tragen in jeder jeweiligen nationalen Entwicklungsgeschichte gut und gerne ein ganzes Millennium auf dem Buckel mit uns herum. Die sprichwörtlich Alte Welt. Kein Wunder also, dass wir uns mit der unification so sehr schwer tun. Willig schwertun. Niemand hat gesagt, dass der Weg leicht wird.

Unser europäisches Konzept kann gar nicht die „Vereinigten Staaten von Europa“ sein. Zu unterschiedlich sind die Mitgliedsstaaten in der Europäischen Union seit ihren jeweiligen Gründungsmythen über die Jahrhunderte hinweg herangewachsen, als dass man sie nun über einen Kamm scheren könnte, unter einen Fittich nehmen oder gar in ein Joch zwängen könnte. Warum und Wozu auch?! Nicht Vereinigte Staaten, nicht United Staates, sondern europäische Nationalstaaten, die in ihren Unterschiedlichkeiten, ihren lang entwickelten Diversitäten, ein möglichst großes Maß an Einheit im Unterschied bilden, darstellen und als europäische Einheit auf politischen, wirtschaftlichen, innovativen, bildungsorientierten, menschenrechtlichen und last but not least digitaltechnisch-kommunikativen Feldern im globalen Konzert agieren, sind aktuell gefragt. Der pazifische Raum, der zerstrittene arabische Raum, die USA, China, Süd-Amerika, Afrika und Europa - sieben globale Player.

Aus (out of) unserer jeweils nationalen Heritage und Entwicklungsgeschichte in den jeweiligen Mitgliedsstaaten heraus, können wir uns besser als bisher zu verlässlicher Größe am Beginn des 21. Jahrhunderts aufschwingen. Aber nur dann, wenn wir erkennen, dass die jeweils nationalstaatlichen Entwicklung aus alten Zeiten, als Through-Out im Sinne von Herkunft, das große ganze Gemeinsame bereichern, statt im europäischen Einigungsprozess immer wieder neue Spaltpilze zu pflanzen. Unity Throughout Diversity bedeutet nicht schwächende Gleichmacherei, sondern Stärke in Vielfalt. Einigkeit in Vielfalt - das ist die europäische Stärke. Nutzen wir sie schneller, besser suffizienter und effizienter.

Schade eigentlich, dass Norbert Röttgen nicht Partei-Vorsitzender der CDU Deutschland geworden ist.

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