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Querköpfe mit kruder Denke · Teil 2: TGH occupies Querdenken 711

Thomas G. Hornauer (TGH) ist ein Medien-Unternehmer und zugleich ein spiritistisch-verbrämter Sektierer. Er bezeichnet sich allgemein als „Christ-Buddhist“ und im speziellen als „König des Vereinten Heiligen Deutschen Königreiches“. Er wohnt, besser residiert, in seinem so genannten Lichtkristallzentrum zu Plüdershausen.

Einer größeren Öffentlichkeit wurde er ab dem Jahr 2003 bekannt, als er den baden-württembergischen Regionalsender B.TV kaufte und Mitte 2004 auf Sendung ging. Gut ein Jahr später war bereits wieder Schluss. Dem Sender wurde die Lizenz nicht verlängert. Hornauer gelang dann 2006 ein Neu-Start in Österreich mit der Ausstrahlung seines Programms via Astra-Satellit unter dem Sendernamen Kanal Telemedial. Doch auch dieser Betrieb währte nicht lange. Mitte 2008 entzog ihm die österreichische Aufsichtsbehörde KommAustria ebenfalls die Sende-Lizenz.

Das TV-Programm bestand im Wesentlichen aus Wahrsager-, Kartenlege- und Hellseher-Sendungen im Pay-by-Call-Verfahren. Später garnierte Hornauer rund um diese „Lebensberatungsformate“ seine eigene Esoterik-Show und entwickelte Schritt für Schritt das, was dann schließlich in der „Gründung“ des seines Königreiches mündete. Er erfand eine eigene Uhrzeit mit elektronisch laufender Uhr im Pyramiden-Format, eine Währung (die „Deutschmarkt“), ein Passwesen und was man sonst noch so für eine Reichsgründung benötigt.

Gebeutelt von finanziellen Nöten und juristischen Verfahren nach den zwei Betriebseinstellungen zog sich Thomas G. Hornauer ab ca. 2009 und während der frühen 2010er Jahre zurück und hielt sich zeitweise in Thailand auf. Dort gründete er eine Art spirituelles Zentrum im Paradise Valley nahe der Stadt Hua Hin. Der Kanal Telemedial war weiterhin aktiv, auch in der thailändischen Diaspora. Es existieren im Netz – fast schon mitleidig wirkende – Streams von und mit Thomas G. Hornauer, in denen er mit minimalistischer SmartPhone-Technik aus spärlich eingerichteten Zimmern weiterhin tapfer auf Sendung geht. Ab Mitte der 2010er Jahre ist er dann wieder zurück in Deutschland und lässt sich ab 2016 in Plüdershausen nieder.

Seitdem sendet er – wenn auch deutlich reduzierter als im Vergleich zu vergangenen Zeiten, als er noch ein echter TV-Rechte Inhaber war - sein Programm unter dem Namen Kanal Telemedial / Kanal Telemedial World per Online-Streaming. Laut Impressum lautet der Unternehmensname Telekontor GmbH & Co KG.

Geblieben sind ihm aus früheren Konkursmassen Studio-Kameras, allerlei Requisiten und Deko-Elemente, sein riesiger orangener Schreibtisch, sein Thron - und sein enorm ausgeprägtes Sendungsbewusstsein. Nicht nur im Netz per Streaming, sondern vor allem auch in Form von esoterisch-synaptischen Schaltvorgänge im eigenen Kopf. Im bunten Studiolicht glüht so einiges unter Hornauers Schädeldecke. Kanal Telemedial - zumindest der Name passt wie die Faust aufs dritte Auge.

Ende April / Anfang Mai 2020 beschäftigte sich Hornauer etwas intensiver mit allgemeinen Diskussionen rund um die laufenden Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie und wurde dabei auf die Stuttgarter Initiative Querdenken 711 aufmerksam. Am 09. Mai 2020 bestieg er sein fulminantes Motor-Bike mit Anhänger und seinem darauf mitgeführten Liegesitz-Velo und machte sich nach Stuttgart auf. Dort besuchte er auf dem Cannstatter Wasen - noch ohne offizielle Akkreditierung - vor dem abgesperrten Backstage-Bereich die Demo-Kundgebung von Querdenken 711.

Mit der SmartPhone-Kamera oder einem Camcorder filmte er die komplette Veranstaltung ziemlich verwackelt ab. Am Abend zurück im heimischen Studio stellte Hornauer sein erstes Video-Footage ins Netz und produzierte eine weitere seiner telemedialen „Unterhaltungsshows“, die normalerweise aus einer Mischung kruder Esoterik-Referate mit allerlei kosmisch-kabbalistischen Bezügen, Weltverschwörungsphantasien, musikalischen Keyboard- und Trommel-Darbietungen, Chats mit Followern sowie phasenweisen Kämpfen mit den zahlreichen Verbindungskabeln der Apple-Geräte auf dem Riesenschreibtisch seiner Hoheit bestehen. Diesmal aber war alles etwas anders.

Fast befreit vom Energieaustausch mit kosmischen Kräften, wendet sich Thomas G. Hornauer für seine Verhältnisse geradezu irdisch klar den Querdenker Demo-Kundgebungen in Stuttgart zu. Wer sich die Mühe macht, seine fast nie unter eineinhalb Stunden langen Video-Beiträge aus dem Lichtkristallpalast aufmerksam anzuschauen, kann feststellen - plötzlich erwacht im irrlichternden Wirrwarr des esoterischen Meisters wieder der einstige Medien-Macher aus den B.TV Tagen.
Thomas G. Hornauer hat die Schnüffelspur zu Michael Ballweg und Querdenken 711 aufgenommen. Er riecht seine „Beute“ bereits gut, während diese noch nicht spürt, das von Ferne Witterung aufgenommen wurde.

Auf den dann kommenden Demo-Kundgebung von Querdenken 711 ab dem 16. Mai 2020 ist Thomas G. Hornauer aus Plüdershausen dann schon mit besserem Equipment vor Ort in Stuttgart, hat Einzug in den Backstage-Bereich gefunden (man erinnere sich, Michael Ballweg hatte von Anfang an mit seiner Initiative strenge Maßstäbe bezüglich der Erlaubnis von presserechtlicher und allgemein medialer Berichterstattung formuliert) und produziert Videos als Vorab-Bericht zur Demo-Kundgebung. Sein Unternehmens-Signet „Telemedial World“ in der rechten oberen Ecke der Video-Beiträge kennzeichnet das Hornauer-Unternehmen nun als offiziellen Medien-Kanal zur Berichterstattung über die Demo-Kundgebungen von Querdenken 711.

Dies setzt sich dann bei den folgenden Demo-Kundgebungen immer professioneller fort. Hornauer covert fast alles. Der Veranstalter Querdenken 711 / Michael Ballweg erlaubt Hornauer die Aufstellung seines Unternehmens-Signets in deutlich erkennbarer Größer an der Bühnenrückwand.

Auf der Bühne in Leonberg ziert ein großes rundes Emblem (es handelt sich dabei um das Wappen Hornauers als dem „König des Vereinten Heiligen Deutschen Königreiches“) das Bühnen-Setting.

Thomas G. Hornauer ist ab Mitte / Ende Mai 2020 Medien-Partner von Querdenken 711 geworden. Nolens volens oder mit Kalkül - seit Ende Mai 2020 ziert das „Telemedial World“ Signet die Video-Streams von Querdenken 711. Zusätzlich bringt sich Thomas G. Hornauer auch in die Gestaltung des musikalischen Begleitprogramms ein, mit Kompositionen aus seinem Hause. Er kümmert sich mit seinem Team um die Video-Technik, regelt die Bild-Regie und gelegentlich singt er auf oder neben der Bühne selbst oder feuert das Publikum zum Tanzen an.

In Teil I dieser kurzen Artikel-Serie wurde mit dem Absatz geendet, dass Michael Ballweg seine Formulierungen zur Beschreibung der Inhalte und Ziele der Querdenken 711 Initiative geändert hat. Er spricht im Zuge der Zeit immer mehr über das Universum (siehe Auftritt auf dem Alten Golfplatz in Leonberg), über das Licht und über allgemein spirituelle Aspekte innerhalb der von ihm gegründeten Bewegung. Er tut dies nicht plötzlich erst seit Hornauer dabei ist, seitdem aber verstärkt.

Auch der „Indianerstamm“ rund um den im Netz bekannt gewordenen „Mann mit dem roten T-Shirt“, Stephan Bergmann (siehe Teil I dieser Artikel-Serie), reiht sich mit Trommeltanz in das esoterisch gefärbte Gesamtbild ein. Ein Bild bei dessen Betrachtung man sich zu fragen beginnt, ist die Bewegung Querdenken tatsächlich ein alternatives Politik-Angebot oder doch eher eine Roadshow, die einen bunten Cocktail aus sektenartigen Gruppierungen, selbstdarstellungsgeilen Sonderlingen, Lichtgestalten aus Schattenwelten sowie sonstigen Beschwörern und Besserwissern darstellt?

Betanzt, betrommelt und thematisiert auf diesen Veranstaltungen wirklich noch ein WIR als Teil im ganzen WIR gesellschaftspolitisch wichtige und auch kritisch zu hinterfragende Zustände und Entwicklungen oder sehen wir hier die Anfänge einer allgemeinen Gesellschaftsspaltung in zwei Lager, denen wir noch keine klaren Namen geben können?
Ist dieses „Konstrukt der Wirrköpfe“, wie Norbert Wallet in der Stuttgarter Zeitung am 10. Mai 2020 seinen Kommentar betitelte, tatsächlich schon dies - ein festes Konstrukt und eben keine kreativ-alternative Spielwiese für politische Visionen mehr?

Der Begriff als Name für eine Initiative wie Querdenken an sich, ist keineswegs neu, sondern schon seit langem recht inflationär zur Benennung von allen möglichen Initiativen in Gebrauch. Wer denkt was quer und handelt dann wie, das ist dabei die wesentliche Frage? Welche Musik wird gespielt, welcher Film läuft gerade ab?

Im Filmgeschäft wird die Musik zumeist während des Drehs oder erst danach, wenn alles im Kasten ist, komponiert. Im Falle von Querdenken 711 kann befürchtet werden, dass der Soundtrack bereits seit längerem fertiggestellt wurde und läuft (Siehe dazu ACHTUNG ! STADT vom 13. Mai 2017 >).
Und falls der Song „Marionetten“ von Xavier Neidoo eben dieser Soundtrack sein sollte, dann erleben wir hier in Stuttgart gerade ganz großes böses Kino.

Lesen Sie hier Teil I: Querköpfe mit kruder Denke · In der Krise ist der Mensch nicht gern alleine >

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16. Juli 2020 · 17:00-18:30 Uhr
Diskussionsthema: "Ein Stadt-Leben ohne Auto? Wandel und Zukunft in der Region"
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